«Les mémoires reconstruites» heisst die neue Ausstellung mit dem Berner Künstler Kotscha (Constantin) Reist im Grenchner Kunsthaus. Es ist die erste institutionelle Einzelausstellung des international renommierten Kotscha Reist und gibt einen Überblick über die Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken der letzten zehn Jahre. Es ist auch seine erste Ausstellung im Kanton Solothurn und die erste der neuen Kunsthausleiterin Claudine Metzger.

«Ich sehe mich als Schreiber, der malt», erklärt der Sohn des ehemaligen Berner Stadtplaners anlässlich des Presserundgangs am Donnerstag. Und fotografiert, wäre zu ergänzen, denn Reist hat eine Fotografenlehre gemacht und hat, wie er sagt, das Handwerk unlängst wiederentdeckt. Doch es ist nicht primär das Auge des Fotografen, das seine in Pastelltönen gehaltenen Bilder prägt. Es ist ein noch ganzheitlicheres Herangehen an Alltagssituationen. Dinge wie Häuser, Tische, Räume meist, und Pflanzen, mal üppig wuchernd, mal fragil, durchdringen sich in seinen Bildern gegenseitig. Es entsteht ein Dialog zwischen dem vom Menschen Geschaffenen und der Natur.

Exemplarisch beispielsweise im grossformatigen «Reconstructed Memories» (2016), das der Ausstellung den Namen verleiht. Ein Prototyp eines Hauses - Reist hat es bei einem Studienaufenthalt in Norwegen angetroffen - wird von Pflanzen und Bäumen halb verdeckt. Der Dialog wird (wie bei vielen seiner Bilder) auch hier sanft gestört durch mehrere Rechtecke, welche die Grundfarben des Bildes aufnehmen: Projektionsflächen der Erinnerung, Post-it-Zetteln gleich, die der Künstler mit Erlebnissen der konkreten Situation füllen könnte. Aber auch der Betrachter, dem ähnliche Stillleben wohl schon oft begegnet sind und Erinnerungen hervorrufen. Verblassende und sich verändernde Erinnerungen allerdings. So ist das Leben.

Fenster, real und imaginär

Immer wieder blickt Reist durch Fenster in die Natur und macht dabei ganz subtil auch von Trompe-d’Oeil-Effekten gebrauch. Was ist innen, was ist aussen? Gibt es dieses Fenster überhaupt oder ist es (auch) eine Täuschung, ein Symbol?

Ein Symbol ist der einzige hier grossformatig gezeigte Mensch: der tschechisch-österreichische Jugendstil-Plakatkünstler und Grafiker Alfons Mucha. «Der Vertreter der Arts and Crafts-Bewegung steht für mich für die Auseinandersetzung mit der Moderne», sagt Reist zum Bild. Mucha sitzt auf einer Trittleiter und blickt durch ein grosses Fenster in eine hellblaue Zukunft. Ein quasi archetypischer Vorgang. Wer genau hinschaut, sieht dass der «Vorreiter» auch schon Teil des Fensters ist.

Von Kotscha Reist sind im Neubau und im Girardhaus-Erdgeschoss 28 Gemälde, 31 weitere Arbeiten auf Papier und einige Objekte zu sehen.

Im Obergeschoss des Girardhauses öffnet am Samstag ebenfalls eine Sammlungspräsentation mit Ankäufen des Kunsthauses 2014–2016. Sie zeigt Werke von 15 verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern und gibt damit einen schönen Einblick in die Vielfalt der zeitgenössischen Druckgrafik und Verwandtes.

Bis 21. Mai 2017, Mi–Sa 14-17 Uhr, So 11–17 Uhr. Vernissage Samstag 18. März, 16.30 Uhr