Das Wetter hat auch Roland Mühlebach im Hosensack. Der Prognoseleiter bei Meteo Schweiz tippt auf sein Smartphone, zoomt weg, der Atlantik erscheint auf dem Display, darüber rote und blaue Kurven. «Ja, wir kommen gerade in eine Westwindlage.»

Mühlebach steht im Landesmuseum Zürich, um ihn herum grosse Apparaturen in Vitrinen, aus jener Zeit als die Menschen das Wetter zu vermessen begannen. Im Raum nebenan liegen alte Bücher von grossen Wetterchronisten wie dem ehemaligen Luzerner Stadtschreiber Rennward Cysat (1545–1614), der zum Himmel hoch starrte und dann zur Schreibfeder griff, um den so «seltzame wunderbarliche Läuf der Witterung» festzuhalten.

Einblick in die Wetter-Ausstellung im Zürcher Landesmuseum

Ja, der Mensch wollte immer wissen, alles über das Wetter wissen. Heute hat das Wissen in einer App Platz. Ein Blick aufs Handy genügt, um zu sehen, ob über dem Napfgebiet gerade eine Schauer niedergeht.

Die Ausstellung «Das Wetter. Sonne, Blitz und Wolkenbruch» widmet sich dem, was sich hinter der Wetter-App verbirgt, was hinter der Meteo-Prognose steckt, die täglich auf SRF rund eine Million Zuschauer sehen. Die Antwort. Batterien von Rechnern. «Prognosen sind heute eine Hightech-Wissenschaft», sagt Peter Binder, Direktor von Meteo Schweiz, dem Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie, das an der Ausstellung im Landesmuseum mitgearbeitet hat.

Meteo Schweiz betreibt mit der ETH im Tessin einen Supercomputer, der Wettermodelle errechnet. Nationale Meteorologie-Behörden arbeiten global zusammen. Betreiben gemeinsam Rechenzentren, tauschen Daten aus. Denn: Eine lokale Wetterprognose basiert immer auf einem globalen Modell. Und weil im Wetter alles zusammenhängt, war die Meteorologie denn auch schon eine globalisierte Wissenschaft, als in anderen Disziplinen noch national geforscht wurde. «Selbst im Kalten Krieg wurden Wetterdaten ausgetauscht», sagt Mühlebach.

Die Chaos-Komponente

Doch das Wetter ist eben nicht nur Wissenschaft. Es ist Gesprächs-Thema («heute hat er Föhn»), Teil unserer Sprache («ihm weht eine steife Brise entgegen») und Stoff für Legenden. Die Ausstellung geht auch auf diese sinnliche, manchmal übersinnliche Seite des Wetters ein. Weit bevor man von Fake-News sprach, gründete sich 1947 in der Schweiz eine Gesellschaft, die ein postfaktisches Sub-Genre der Meteorologie bildete.

Die Muotathaler Wetterschmöcker. Ameisen-essende Ein-Mann-Prognosen, die heute nationale Kultfiguren sind. Der Bekannteste unter ihnen ist Martin Horat. Regelmässig erscheint er in Illustrierten und tritt in Werbespots für Coop und Schweiz Tourismus auf. Was Profis wie Mühlebach und Binder als «Folklore» bezeichnen, trifft bei vielen Menschen einen Nerv. Denn obwohl Wetterprognosen noch nie in der Geschichte so genau waren wie heute, so scheint auch der Ärger über falsche oder nicht ganz korrekte Prognosen grösser denn je zu sein.

Die Ansprüche sind gestiegen. Möglichst lokal und möglichst lange voraus hätten die Menschen das Wetter gerne. «Das widerspricht sich leider», sagt Binder. Denn je weiter eine Prognose vorgreift, desto weniger genau ist sie geografisch. Dazu kommt, dass die Schweiz für Prognosen ein besonders kompliziertes Land ist. Zerklüftet, kleinteilig, mit vielen Bergen, Hügeln und Tälern.

Tatsächlich wird trotz Hightech eine absolute Präzision in der Wettervorhersage nie möglich sein. «Es gibt beim Wetter eine Chaos-Komponente, die man nie eliminieren wird.» Zwar wird der Fortschritt in der Informatik die Wetterprognosen weiter verfeinern. Alle 10 Jahre lässt sich das Wetter einen weiteren Tag voraus prognostizieren. Aber absolute Präzision wird es nie geben. Und damit auch immer Raum für Experten, die ihre Kentnisse aus dem Geschmack von roten Ameisen ziehen.

Wetter Sonne, Blitz und Wolkenbruch Landesmuseum Zürich. 12. 1. 2017 bis 21. 5. 2017.