Seit einigen Wochen ziert eine neue, leuchtend gelbe Sprayerei die Lärmschutzwand des Bahnhofs Wohlen. Es handelt sich um das Logo des Event-Labels «Project Riot» von Thomas Steiner (22, Wohlen) und Thomas Schnorf (21, Holderbank). Die beiden stellen jedoch klar, dass sie nichts mit dem Graffiti zu tun haben. «Ich selber hatte auch schon eine Spraydose in der Hand, aber die Aktion am Wohler Bahnhof stammt nicht von uns, die Zeiten habe ich hinter mir», betont Hochbauzeichner Steiner, der ansonsten für alles zuständig ist, was bei «Project Riot» mit Grafik zu tun hat.
Die Event-Organisatoren wissen nicht, wer hinter den Sprayereien steckt. «Aber wir können schliesslich keine Verantwortung für Leute übernehmen, die an unsere Events kommen», so Schnorf. Das Logo verbreiten sie vor allem via T-Shirts über ihre «Riot Wear» und übers Internet, wo sie mit bereits über 3000 Freunden auf Facebook immer beliebter werden.
Bis zu 3 Jahren Freiheitsstrafe
Graffiti zählen zur Sachbeschädigung und sind somit Antragsdelikte. Das bedeutet, dass die SBB als Geschädigte selber Anzeige bei der Polizei erstatten muss. Und das hat sie auch getan, so Mediensprecher Reto Schärli: «Jede Sachbeschädigung wird zur Anzeige gebracht. Dazu gehören auch Sprayereien.» Die Anzeige ist vom Rechtsdienst der Schweizerischen Bundesbahnen gegen unbekannt erstattet worden, jetzt liege der Ball bei der Justiz.
Ein mögliches Strafmass kann jedoch nicht abgeschätzt werden, wie Urs Hoppler, stellvertretender Leiter der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten, erklärt. Denn «der Strafrahmen hängt mit dem Ausmass des Schadens und auch mit den wirtschaftlichen Verhältnissen des Verschulders zusammen». Sachbeschädigung könne allerdings zu Geldstrafen oder gar Freiheitsstrafen führen- im Höchstfall bis zu 3 Jahren.
Vergleich mit Fussball-Fans
Die beiden Veranstalter gehen davon aus, dass Fans ihrer Events auf diese Weise für sie werben. «Wir freuen uns natürlich, dass Leuten unsere Arbeit gefällt, aber wir werben auf legalem Weg», ist Thomas Schnorf wichtig. SBB-Sprecher Schärli zieht einen Vergleich zum Fussball: «Da schreibt auch jeder ‹FCZ› oder ‹GC› an irgendeine Wand, und meistens sind das nicht die Clubs selber, sondern deren Fans.» Die Fangemeinde von «Project Riot» ist noch nicht mit jener von Fussballklubs vergleichbar, doch sie wächst ständig.
«Club ist kein Laufsteg»
Die zwei organisieren seit zwei Jahren Drum & Bass- und Dubstep-Events im Raum Aarau und Zürich. Der Startschuss dafür war ein Gespräch in einem Partykeller in Möriken, wo die beiden Namensvettern zur Schule gegangen sind. «Wir schauten uns um und dachten, man könnte mit so wenig Aufwand etwas viel Besseres auf die Beine stellen», erinnert sich Steiner. «Auch in den Clubs fiel uns auf, dass die Leute die Musik nicht fühlen. Dagegen wollten wir etwas machen.» Sie wollten die Leute zurück zur Musik bringen. «Bei ‹Project Riot› geht es nicht darum, sich aufzutakeln und den Club als Laufsteg zu benutzen, um sich zu präsentieren. Es geht darum, mit Gleichgesinnten die Musik zu fühlen», präzisiert Steiner.
Drum & Bass und Dubstep waren damals nur in Insider-Kreisen bekannt, doch die beiden waren von Anfang an begeistert. «Wir dachten, so könnte es bestimmt noch anderen gehen.» Also organisierten sie ihren ersten Event mit Live-DJs. Auf Anhieb erschienen Hunderte von Leuten. Es folgten unzählige Events mit immer bekannteren, internationalen DJs. «Es macht uns einfach Spass. Wenn das nicht so wäre, hätten wir längst damit aufgehört. Wir wollen, dass die Leute um uns herum Spass haben, der Verdienst ist unwichtig.»
Der nächste «Project Riot»-Event steht unter dem Motto «Kaos 03» und findet am 28. April im KiFF in Aarau statt. Infos unter www.facebook.com/projectriot